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Experten-Interview mit Dr. Kantner-Rumplmair

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Dr. Kantner-Rumplmair

Dr. Kantner-Rumplmair ist Oberarzt für Medizinische Psychologie und ärztlicher Leiter der psychosomatischen Schmerzambulanz im Universitätsklinikum Innsbruck. Er begegnet seit über 20 Jahren Krebspatient:innen. Einige wenden auch Optune an. Im Interview erklärt Dr. Kantner-Rumplmair, wie man Schamgefühle im Zusammenhang mit einer Erkrankung überwinden und sich die Kraft der Routine zunutze machen kann.

Viele Menschen, denen man ihre Erkrankung ansehen könnte, fühlen sich auf einem Ausflug oder auch schon beim Einkaufen unwohl. Warum?

„Krankheit kränkt uns und ist, egal wie schwer sie sein mag, ein Angriff auf unseren Selbstwert. Aus diesem Grund verstecken viele Menschen schamhaft Hinweise auf ihr Kranksein. Die Angst, zusätzlich durch andere schlecht bewertet oder bloß gestellt zu werden, kann manche in die Isolation treiben. Denn nicht jeder ist mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet. Lieber ist es uns, nicht allzu sehr aufzufallen.“

Wie kann man diese Scham überwinden?

„Es ist die Angst vor den Gedanken der Anderen, die uns hemmen. Aber das Denken des Gegenübers entzieht sich ohnehin immer unserer Kontrolle. Wir können nur im Kontakt, in einem guten Gespräch erklären, warum wir uns in den letzten Monaten etwas zurückgezogen haben, plötzlich eine Glatze haben und uns Arrays auf den Kopf kleben lassen. Warum es gut und wichtig für uns ist, wird jemand der uns mag, verstehen.“

Was könnten die richtigen Worte für Optune-Anwender:innen sein, um Optune selbstbewusst zu erklären?

„Betroffene erzählen mir, dass sie zum Beispiel sagen: ‚Ich habe eine Krankheit und was du siehst, ist meine Therapie. Sie wirkt direkt dort, wo ich es brauche: am Kopf. Andere können ihre Medikamente zuhause nehmen, wo es niemand sieht. Ich habe meine Therapie aber immer dabei. Denn je länger ich sie trage, umso besser.‘“

Welche Rolle spielen nahe Angehörige im Alltag mit der Erkrankung?

„Nahe Angehörige müssen nicht um Erlaubnis, aber um Unterstützung gefragt werden. Ohne Hilfe wird es nicht gehen. Als Betroffener werde ich eine Vertrauensperson brauchen, die mir beisteht. Besser ist es, sogar ein Team zu haben. Und auch wenn man sich als Angehöriger vielleicht denkt, dass man es besser weiß: Wenn der oder die Betroffene von der Sinnhaftigkeit der Therapie überzeugt ist, soll man ihn oder sie unterstützen.“

Was würden Sie jemandem raten, der sich zu Beginn der Therapie mit Optune noch etwas unsicher fühlt?

„Aller Anfang ist schwer, aber was hilft, ist Routine. Um Routine zu entwickeln, muss man mehrmals den selben Weg beschreiten. Als Anfänger kann man noch nicht routiniert sein, egal womit. Die Erfahrung und das konsequente Einüben von Fertigkeiten bringt Erleichterung und Geschicklichkeit mit sich. Die Routine wird Sicherheit vermitteln und man erhält so Schritt für Schritt wieder die Kontrolle über einen Teil seines Lebens zurück. Man wird dann auch wieder mehr Energie für Wesentliches außerhalb der Routine zu Verfügung haben. Und gerade der scharfe Blick auf das Wesentliche im Leben ist etwas, das Glioblastom-Patient:innen aufgrund ihrer schwierigen Situation oft erreichen.“

WIE BEKOMME ICH OPTUNE ?

VON DER VERSCHREIBUNG ZUM THERAPIESTART